Was macht deine Organisation zu einem Pionier?
Wir gestalten eine lebendige Gemeinschaft, verbunden über Werte, wie wir für das Hineinwachsen junger Menschen in ein unsicheres Morgen für hilfreich erachten. Über Vertrauen, einander Zuhören, Verletzlichkeit und Teilen, was uns beschäftigt öffnen wir Räume für nährende Verbundenheit – in einer Zeit in der viel Destruktivität, Konkurrenz und Unsicherheit unsere Zuversicht ins „gute“ Leben stark fordern.
Für Kinder ermöglichen wir freies Spiel und freie Bewegung: zwecklos, intrinsisch, sich der Welt nähern mit dem, was gerade ist. Begrenzung gepaart mit Freiheit. Versuch und Irrtum, ohne Bewertung, dafür mit geteilter Neugier, Austausch und Freude an dem, was entsteht – eingebettet in Bezogenheit zum Selbst und in beziehungsvolles Miteinander.
Was verbindest du persönlich mit Resilienz und Antifragilität?
Eva: Für mich bedeutet Resilienz, mit mir und meinen Gefühlen im Kontakt zu sein – mich am Schönen, Gelungenen, Leichten, zu erfreuen, gleichsam wie den Widrigkeiten im Leben mit all dem, was sie auslösen auf neugierige offene Art zu begegnen und mich bei all dem, mit anderen verbunden zu fühlen. Gedanklich bedeutet es, weniger Bewertung und erlebte Einengung meiner eigenen Kindheit, anzustreben und meiner Mitwelt mehr erforschend und dialogisch, mit Mut auch meiner eigenen Verletzlichkeit gegenüber zu begegnen.
Meine Gestaltungskraft im Blick zu haben und zu nutzen: mit wem verbringe ich Zeit, wohin richte ich meine Aufmerksamkeit,… wie können Co-Kreationen dort entstehen, wo Gestaltungsspielraum ist? Zusammenlegen, was gerade möglich ist – die Kraft des gemeinsamen Gestaltens, und die Freude – das Wahrnehmen, Spüren und letztlich Feiern von Gelungenem – nähren meine Antifragilität.
Gudrun: Das Vertrauen in mir, dass es immer irgendwie weitergeht. Dieses ermöglicht mir, flexibel zu bleiben und mich an neue Situationen anzupassen – ohne mich dabei selbst zu verlieren. Eine große Ressource sind die verlässlichen Menschen in meinem Umfeld. Dies gibt mir Stabilität und stärkt mich in herausfordernden Momenten.
Mich prägen meine Erfahrung in der Begleitung von Kindern und Ausbildungen, die eine fragende Haltung und dialogischen Austausch in den Mittelpunkt stellen. Dadurch reflektiere ich, meine eigenen Strategien. Genau in diesem Prozess liegt für mich Antifragilität: nicht nur Krisen zu bewältigen, sondern an ihnen zu wachsen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Warum sollte eine Teilnehmerin ausgerechnet zu deiner Pionierstation kommen?
Elementarpädagogische Einrichtungen legen einen Grundstein für die Entfaltung der Persönlichkeit der Menschen von morgen. Viele Parallelen wie Firmen geführt werden können, spiegeln sich in der Gemeinschafts-führung/gestaltung von Kindern und Eltern wieder….
Wir denken, die Grundfragen und der Wunsch nach einem Wohlfühlort für alle zum Verwirklichen des eigenen Potentials sind ähnliche: Was braucht der einzelne, dass es ihm gut geht und er entspannt und gern seine Kompetenzen in das Wohl und die Entwicklung der Gemeinschaft einbringen will? Und wie schaut Verantwortung für einen solchen Rahmen aus, der das möglich macht? Und wer übernimmt diese Verantwortung in welcher Form?
Welche Fragen bringst du selbst zur Pionierstation mit?
Eva: Ich habe weniger Fragen, als ich mich sehr freue auf Inspiration und die Stimmung von zusammenkommenden Menschen, die sich Gedanken machen zu einem Wandel und einem aktiven Gestalten zu einem regenerativen Morgen.
Gudrun: Ich freue mich über einen lebendigen Austausch mit engagierten Menschen und es interessiert mich, wie andere Menschen/andere Einrichtungen ihre Resilienz und Antifragilität leben, behüten und entwicklen, vor allem in Hinblick auf diese immer fragiler und werteloser werdene Welt/Gesellschaft.

Eva Hoffmann

Gudrun Noggler-Dallermassl