Freiräume (Un)Conference 2020
Unternehmens- und Bildungspioniere

Was macht deine Organisation zu einem Pionierunternehmen?

Die SiP gehört in Graz zu den Bildungspionieren der ersten Stunde. Kinder können sich zu mündigen, kritikfähigen und selbstbewussten Jugendlichen entwickeln – die SiP stellt dafür einen ganz besonderen Rahmen und ausreichend Zeit zur Verfügung. In drei altersgemischten Gruppen (6 – 9-jährige, 9 – 12-jährige und 12 – 15-jährige) absolvieren die Kinder ihre gesamte Pflichtschulzeit.

Die Klassenräume mit den für alle zugänglichen (Selbst-)Lernmaterialien laden ein, Neues auszuprobieren. Die SiP liegt mit ihrem großen Außenbereich mit Bewegungsmöglichkeit im Wald und auf dem Sportplatz am Rande von Graz mitten im Grünen. Die Schüler*innen erarbeiten in Abstimmung mit den Lehrer*innen ihre Lernpläne, um diese in ihrem eigenen Tempo umzusetzen. Neben Bewegung und Kreativangeboten liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Sozialem Lernen. So werden zum Beispiel im Schulrat die für die Schüler*innen wichtigen Themen und Regeln von ihnen selbst behandelt.

Schulträger ist ein selbstorganisierter (Eltern-)Verein, der sich in zwei Klausuren pro Jahr weiterentwickelt und die für das Erhalten und Führen der Schule in fünf Arbeitskreisen organisiert.

Was bedeuten für dich Lust auf Verantwortung bzw. Lernen (neu) lernen?

Michaela: Lernen (neu) lernen bedeutet für mich sehr viel Freude. Ich bin ein unendlich neugieriger Mensch, der sein ganzes Leben lang versucht immer wieder neue Wege zu finden, zu hinterfragen, neu zu denken, zu entdecken und zu entwickeln – im privaten als Mama und im beruflichen als Beraterin. Und ich wünsche mir, dass diese Neugierde auch bei meinen Kids ein Leben lang erhalten bleibt – genau deshalb sind sie Schüler*innen in der SiP. Dort haben Sie auch in ihrer Schulzeit die Möglichkeit sich so viel Zeit mit ihren Entdeckungen und Erkenntnissen zu lassen, wie sie möchten und können diese auszukosten bis sie bereit sind für den nächsten Schritt. Die Verantwortung dafür liegt bei ihnen. Somit sind sie auch von Kindesbeinen an daran gewöhnt, Verantwortung für sich selbst zu tragen.

Erich: Ich fühle mich für mein Handeln verantwortlich – für alles was ich tue – und was ich unterlasse. In meiner Tätigkeit als Berater und Trainer habe ich die Möglichkeit, verantwortungsvolles Handeln vor allem in den Bereichen Kommunikation, in der Haltung zu- und im Umgang miteinander zu leben und damit auch zu vermitteln. Einige Beispielen, woran zu beobachten ist, dass mir meine Werte wichtig sind: Ich versuche in der Begegnung die Haltung eines Lernenden einzunehmen, aktiv und empathisch zuzuhören, im Einkauf „Re-use statt neu“, Reduktion von Flugreisen in Richtung Null, mit dem Rad ins Büro, keine Amazon-Bestellungen. Als Teil der Bildungspionier-Station „Schule im Pfeifferhof“ ist mir die Entwicklung und Reflexion von Lernmethoden und –prozessen ein besonderes Anliegen. Ähnlich wie in meiner Rolle als Trainer geht es hier weniger um die Vermittlung von Wissen, als um das Kreieren eines Raums für persönliches Wachstum und um die Entwicklung einer Haltung zur Welt: Offenheit, Neugier, in Bewegung und verbunden bleiben.

Lisa: Die „Schule im Pfeifferhof“ ist für mich ein Ort an dem wir die Lust auf Lernen und Verantwortung, welche Kinder bereits in sich tragen wenn sie zu uns kommen, erhalten und fördern wollen. Lernen, als Prozess des „Über-sich-selbst-Hinauswachsens“, bedingt Ziele, die Sinn machen und ein Gefühl der Freude in uns auslösen sollten. Um diese Sinnfrage für alle Beteiligten (Kinder, Lehrer, Eltern) erfüllen zu können, braucht es die Möglichkeit zur Mitbestimmung und Mitgestaltung des Lernprozesses. Dadurch wird Lernen nicht mehr nur eine persönliche Angelegenheit, sondern zu einer gemeinsamen Sache, die eine Auseinandersetzung mit den aufkommenden Gedanken und Gefühlen, Kreativität und gezieltes Handeln fordert. In der Schule ist das beste Setting dafür meines Erachtens durch den Projektunterricht gegeben und meiner Erfahrung nach wird vor allem dann Verantwortung für den Lernprozess mitgetragen, wenn man sich eingebunden in ein Beziehungsnetz fühlt. Gleichzeitig bietet die Zusammenarbeit in einem agilen Lehrer*innenteam und mit dem Elternverein in der „SiP – Schule im Pfeifferhof“ zahlreiche Gelegenheiten, um regelmäßig über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und die persönliche Beziehungskompetenz weiterzuentwickeln.

Warum sollte eine Teilnehmerin ausgerechnet zu deiner Pionierstation kommen?

Bei der SiP-Pionierstation erwartet Dich ein Einblick in ein bewährtes und gleichzeitig immer wieder weiterentwickeltes pädagogisches Konzept – Lernen wird bei uns ständig neu gelernt und unsere Schule entwickelt sich auch als agile Organisation immer weiter. Das miteinander und voneinander Lernen ist für uns besonders wichtig. Wir freuen uns darauf unsere Erfahrungen mit Dir teilen zu dürfen und auch von Deinen Ideen und den Gesprächen mit Dir wieder neue Erkenntnisse und Ideen mitzunehmen.

Welche Fragen bringst du selbst zur Pionierstation mit?

Welche Ideen gibt es, die Bildungsinstitutionen mehr in das gesellschaftliche Leben zu integrieren? Wie können wir Schule insbesondere mit Wirtschaft & Beruf verknüpfen, sodass alle Seiten sich daraus weiterentwickeln und profitieren können?

Wie können wir – verantwortungsvoll – den wichtigen Aspekt des sozialen Zusammenseins (hier vor allem bezogen auf die Elterngemeinschaft) in Zeiten der Pandemie leben?

Wie gewinnen wir politische Entscheidungsträger und andere wichtige Stakeholder als Partner*innen für eine gemeinsame schulische Weiterentwicklung?

Michaela Höfer

Erich Nekam

Lisa Hofer