Was macht deine Organisation zu einem Pionier?
collectiv:a versteht sich selbst als lernendes System. Wir arbeiten mit geteilten Rollen und kollektiver Verantwortung und nutzen schrittweises Vorgehen, um Reibung bewusst für Weiterentwicklung zu verwenden.
Statt Harmonie zu simulieren, machen wir Lernprozesse sichtbar und wachsen auch an den Stellen, an denen es unbequem wird. Spannungen personalisieren wir nicht, sondern reflektieren gemeinsam zugrunde liegende Muster, Dynamiken und systemische Zusammenhänge.
Antifragilität entsteht für uns dort, wo Irritationen, Fehler und Feedback aktiv genutzt werden, um Zusammenarbeit, Angebote und Haltung kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Was verbindest du persönlich mit Resilienz und Antifragilität?
Hannah: Mit Resilienz verbinde ich für mich die Fähigkeit, in Spannungen handlungsfähig zu bleiben – nicht hart zu werden, sondern beweglich. Antifragilität geht für mich einen Schritt weiter: aus Irritationen und Feedback tatsächlich zu lernen und neue Muster zu entwickeln.
In meiner Arbeit mit Teams und Führungskräften erlebe ich immer wieder, dass echte Entwicklung dort entsteht, wo Unsicherheit nicht „wegmoderiert“, sondern gemeinsam reflektiert wird. Persönlich habe ich gelernt: Wachstum passiert selten trotz Krisen – sondern oft genau wegen ihnen.
Christian: Resilienz bedeutet für mich Beweglichkeit und Standhaftigkeit zugleich, vor allem in schwierigen Situationen. So kann eine andere Form von Stabilität entstehen: handlungsfähig bleiben, ohne vorschnell Sicherheit zu simulieren. Für mich heißt das, Spannungen auszuhalten und nicht reflexhaft meinem Harmonieimpuls zu folgen.
Ich versuche,, weniger in „richtig oder falsch“ zu denken, sondern mich zu fragen: „Wozu ist das gerade gut?“. Antifragilität entsteht für mich dort, wo Irritation nicht als Störung, sondern als Information genutzt wird. In meiner Arbeit mit Führungsteams erlebe ich, dass das bewusste Aushalten von Spannungen, der Dialog und die Reflexion wirksamer sind als Kontrolle.
Kathi: Resilienz und Antifragilität erklären für mich, warum ich in schwierigen Momenten selten ausweiche. Statt wegzulaufen, gehe ich oft bewusst hinein – weil ich spüre, dass dort etwas Wesentliches liegt. Gerade diese unbequemen Situationen haben mich am stärksten geprägt und weiterentwickelt.
In der Arbeit mit Teams erlebe ich Ähnliches: Verbindung und Wachstum entstehen dort, wo Verletzlichkeit Platz hat. Wenn Widerstände oder Gefühle geteilt werden, entsteht ein Miteinander, das Zusammenarbeit spürbar stärkt.
Warum sollte eine Teilnehmerin ausgerechnet zu deiner Pionierstation kommen?
Du erlebst einen Raum zum Denken, Spüren und Lernen anstatt eines fertigen Lösungsbaukastens.
Du nimmst Spannungen im eigenen Erleben bewusst wahr, erkundest, was Widerstand dir zeigen will, und erprobst in kleinen Experimenten neue Handlungsoptionen.
Gemeinsam reflektieren wir und geben Einblicke, wie wir bei collectiv:a auf Störung mit Lernen statt Kontrolle reagieren.
Welche Fragen bringst du selbst zur Pionierstation mit?
Wie prägen Leistungsnarrative unseren Umgang mit Störung und Wandel?
Wie viel innere Arbeit ‚dürfen‘ Organisationen von Menschen verlangen?
Welche Praktiken und Strukturen helfen Remote‑Teams, sofort auf aufkommende Spannungen zu reagieren, statt sie erst verzögert oder retrospektiv zu bearbeiten?

Katharina Binder

Christian Hattinger

Hannah Sturm