Was macht deine Organisation zu einem Pionier?
Wir sind ein Seniorenwohnhaus der Stadt Salzburg. Den Umzug in unseren Neubau vor sieben Jahren haben wir bewusst genutzt, um unsere gesamte Organisationsform neu zu denken. Dabei haben wir Hierarchieebenen reduziert, selbstführende Teams etabliert und den Sinn unserer Arbeit konsequent in den Mittelpunkt gestellt. Für viele besonders bemerkenswert ist, dass wir als Teil des Magistrats dennoch zentrale Prinzipien von Modern Work erfolgreich umsetzen konnten.
Unser Haus ist klar strukturiert, Aufgaben und Verantwortlichkeiten sind eindeutig zuordenbar. Diese Klarheit gibt Orientierung und Sicherheit im Arbeitsalltag. Gleichzeitig pflegen wir eine offene Fehler- und Kommunikationskultur. Aus Beinahe-Fehlern und Fehlern lernen wir und entwickeln unsere Zusammenarbeit kontinuierlich weiter.
Diese Verbindung aus klarer Struktur, Eigenverantwortung und psychologischer Sicherheit schafft ein stabiles und unterstützendes Arbeitsumfeld. Sie reduziert Stress im Alltag und stärkt gezielt die Resilienz unserer Mitarbeiter:innen und Teams, indem sie Orientierung, Handlungsspielraum und gemeinsames Lernen ermöglicht.
Gleichzeitig gehen wir einen Schritt weiter: Indem wir Erfahrungen aus Herausforderungen aktiv nutzen, entwickeln wir unsere Organisation laufend weiter. So fördern wir neben Resilienz auch unsere antifragilen Fähigkeiten.
Was verbindest du persönlich mit Resilienz und Antifragilität?
Nicole: Für mich bedeutet Resilienz die Fähigkeit, auch unter Belastung handlungsfähig zu bleiben, Stabilität zu bewahren und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie entsteht dort, wo Klarheit, Vertrauen und geteilte Verantwortung vorhanden sind. Antifragilität geht für mich einen Schritt weiter: Herausforderungen, Unsicherheiten und Fehler werden nicht nur bewältigt, sondern bewusst genutzt, um daraus zu lernen und zu wachsen. So entsteht eine Arbeitsumgebung, die nicht nur Krisen standhält, sondern durch sie stärker, lernfähiger und zukunftsorientierter wird.
Astrid: Resilienz bedeutet für mich, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben und mir Unterstützung zu holen, wenn ich allein nicht weiterkomme. In einer Hausgemeinschaft hatte ich einen massiven Konflikt mit einer Bewohnerin, die weinend vor mir stand und ausziehen wollte. Ich war ratlos. Ich ging zu meinem Chef – nicht damit er übernimmt, sondern um Klarheit zu gewinnen. Er stärkte mich, die Situation selbst zu führen, blieb aber an meiner Seite. Wir fanden an diesem Tag keine perfekte Lösung, aber Ruhe. Dieses Erlebnis hat mich gestärkt. Das verbinde ich mit Antifragilität.
Alexander: Für mich persönlich geht es bei Resilienz und Antifragilität um die Möglichkeit, meine Werte zu leben. Dabei finde ich es wichtig, nicht von überbordender Bürokratie unter Druck gesetzt zu werden. Sowie so frei wie möglich meine Arbeit gestalten zu können.
Warum sollte eine Teilnehmerin ausgerechnet zu deiner Pionierstation kommen?
Bei uns erfährst du, wie Resilienz und Antifragilität im Pflegealltag gelebt werden können.
Du erhältst Einblicke, wie verteiltes Wissen, selbstführende Teams und eine offene Lernkultur dabei unterstützen, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und als Chance für Weiterentwicklung und Wachstum zu nutzen.
Welche Fragen bringst du selbst zur Pionierstation mit?
Wie gelingt uns ein stabiler Übergang, wenn unser jetziger „Hüter der Spielregeln“ 2027 in Pension geht – ohne dass unsere Kultur an Klarheit verliert?
Wenn Resilienz lernbar ist: Wie unterstützen wir Kolleg:innen, die strukturell oder persönlich weniger stabil sind – ohne sie zu überfordern oder das Team zu destabilisieren?
Wie bleibt eine selbstorganisierte Struktur lebendig, wenn die Aufbruchseuphorie vorbei ist und neue Mitarbeitende dazukommen, die den Gründungsprozess nicht erlebt haben?

Alexander Buchbauer

Nicole Harlander

Astrid Kent